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Unterwegs mit der Canon 50mm Festbrennweite

Neulich habe ich einen Artikel einer Fotografin gelesen, die fast ausschließlich mit einer 50mm- Festbrennweite fotografiert, hauptsächlich Landschaften.  Was soll der Quatsch jetzt, wird sich der eine oder andere fragen?

Zuerst einmal die graue Theorie – was ist eine Festbrennweite überhaupt? Eine Festbrennweite ist ein Objektiv, mit dem man nicht zoomen kann und einen festgelegten Bildausschnitt hat.
Mit einem solchen Objektiv “kastriert” man sich zunächst erst einmal selbst. Das wilde Drehen am Zoom gehört der Vergangenheit an, weil nicht vorhanden. Der Zoom, den man benutzen kann, hat hier zwei Beine. Die muß man in die Hand nehmen und sich sein Motiv regelgerecht suchen. Freilich ist der eine oder andere Ausreisser dabei, aber dafür lernt man.
Der praktische Vorteil dieses Objektives ist sein unglaublich geringes Gewicht, man kann es wirklich überall mit hinschleppen.

Weitere Vorteile des im Volksmund auch zu Unrecht “Plastikscherbe” genannten Objektives sind die mögliche extrem offene und durchgehende Blende, die tolle Schärfe/Unschärfeverläufe ermöglicht und durch die offene Blende von 1,8 guten Fotos bei schwierigen Lichtverhältnissen. Man muß sich jedoch erst einmal daran gewöhnen, dass man mehr herum latschen muß, um einen geeigneten Bildausschnitt zu finden. Schwierig ist es auch bei Städtereisen, da man zuweilen das Zoomen doch vermisst.

Das von mir verwendete Canon 50mm-Objektiv kostet knapp €100,-, doch es ist jeden Cent wert. Sicher sind nicht alle Bilder, die man damit macht, hundertprozentige Treffer, aber die, die etwas geworden sind, entschädigen für die Mühe. Ich liebe meinen 50mm-“Fußzoom”.

So habe ich mich in meiner Heimatstadt Neuss aufgemacht, und nur mit diesem Objektiv ein paar Aufnahmen gemacht, bei denen ich nie auf die Idee gekommen wäre, mein 18-55mm Kit-Objektiv oder mein “Immer drauf”-18-200mm Tamron-Objektiv NICHT zu benutzen. Man fotografiert bewußter und es macht ganz einfach mehr Spaß, was bei der Fotografie immer der Fall sein sollte.

Tour de France 2017

Am ersten Juli-Wochenende startete die diesjährige Tour de France in zum vierten Mal in Deutschland. Der Grand Départ fand am 1.Juli 2017 in Düsseldorf statt, die zweite Etappe führte am darauffolgenden Sonntag von Düsseldorf ins belgische Lüttich. Auf diesem Weg führte die Tour auch durch meine Heimatstadt Neuss. Was liegt da näher, als dort ein paar Fotos zu machen.

Gegen 12.30 Uhr trafen wir an der Ecke Friedrichstrasse/Kaiser-Friedrich Strasse ein.  Dort beschrieb die Strecke eine 90-Grad Kurve, was eine schöne Perspektive darstellte. Nach einer ca. einstündigen Wartezeit wurde es dann ernst, eine Ausreißergruppe passierte unseren Platz, ca. eineinhalb Minuten später folgte das Peloton, das Hauptfeld.

Ich legte mich dazu auf den Bordstein, um die Fahrer von unten hinauf fotografieren zu können. Viel Zeit hat man da naturgemäß nicht. Also wurde die Kamera auf “Dauerfeuer” eingestellt. Für mehr als 35 Fotos reichte es abschließend nicht.

Der folgende Blick in den Monitor meiner Kamera zeigte dann eindrucksvoll, wie man auch diese 35 Fotos klassisch “verkacken” kann. Als ich mich auf den Bordstein begab, muss ich versehentlich die Kameraeinstellung von Blendenautomatik auf den manuellen Modus verstellt haben, in dem eine Blende von 8 und eine Verschlusszeit von 1/15 Sekunden eingestellt war – eine Einstellung, mit der man eventuell Milka-Kühe in den Schweizer Alpen fotografieren kann, aber gewiß keine rasende Tour de France.

Getreu dem Motto, dass es Fehler nicht gibt, sondern nur Erfahrungen, hakte ich das Shooting ab. Zuhause im Lightroom konnte man aus ein paar Bildern doch noch etwas herausholen, wenn auch nicht ein einzige Aufnahme wirklich scharf oder fokussiert war. Was sich zeigte, waren Aufnahmen, die an Doppelbelichtungen erinnerten. “Scharf kann jeder”, sagte ich mir. Solche Fotos macht vermutlich keiner, schon gar nicht bewußt.

Beim Durchschauen der Fotos fühlte ich mich wieder an ein Buch des Fotografen Tino Pohlmann erinnert, der dort einige schöne s/w-Aufnahmen der Tour de France veröffentlicht hat. Es heißt “Rotation/Condition/Inspiration“. Bei Amazon ist es leider nur noch gebraucht erhältlich, einen Link dazu findet Ihr unter der Galerie.

Das Ergebnis möchte ich Euch trotzdem nicht vorenthalten, jeder mag entscheiden, ob er einen Wert darin sieht. Viel Spaß beim Anschauen.