Muss man Fotos nachbearbeiten?

Eine treffliche Frage, die sich da stellt. Müssen Bilder digital nachbearbeitet werden?
“Hab ich Tausend-Euro-Kamera, brauch ich nisch” – kann man meinen. Doch die Kamera ist beispielsweise immer so gut, wie der, der damit fotografiert. Nicht immer hat man die richtigen Einstellungen gewählt und keine Kamera ist so gut wie das menschliche Auge.

Voraussetzung ist, dass man die Bilder im RAW-Format aufnimmt. Das könnt Ihr in der Kamera einstellen, bei Canon lautet die Datei-Endung .CR2, bei Sony .ARW und bei Nikon .NEF. Dort wird die maximale Bildinformation in der Kamera gespeichert. Ein JPG ist zwar sehr viel speicherschonender, aber es tut nichts für uns, da die Bildinformationen schon bei der Aufnahme komprimiert werden. So kann man beispielsweise nur in sehr begrenzten Maßen Helligkeitswerte oder Farbwerte ändern, darüber hinaus gleicht das Bild dann eher einem Schlachtfeld.

Es geht auch nicht darum, dramatische Wolken, Regenbögen, Sonnenstrahlen, hoppelnde Hasen oder spitze Steine in das Foto einzusetzen. Das mache, wer will, gehört aber jetzt nicht hier her.

Natürlich kann man zuweilen auch im JPG-Format fotografieren, Selfies beispielsweise. Die möchte wohl kaum jemand bis ins kleinste Detail nacharbeiten.
Wenn Ihr jedoch bewußt und im RAW-Format fotografiert, dann tut eine anschließende Bearbeitung eine Menge für Euch. Probiert es aus.

Folgendes Foto wurde mit meiner EOS 600D und einem 10-18mm Weitwinkelobjektiv aufgenommen, Belichtung 1/13, Blende 18, ISO 100, die Kamera auf einem Stativ.
Das Foto wurde lediglich in Lightroom bearbeitet, nur der unvermeidliche Müll an einem so schönen, kleine See wurde herausgestempelt. Die Schmutzfinke mögen es mir verzeihen. Unten siehst Du eine vorher/nachher-Ansicht – die Bearbeitung ist kein stundenlanger Fackelzug, es dauert höchstens 10 Minuten.

Zunächst setze ich in Lightroom die korrekten Weiß-/Schwarzpunkte, die Tiefen wurden erhöht und da es ein lauschiger Sommerabend war, wurde der Weißabgleich ein wenig hochgesetzt, auf ca. 6.500 Kelvin. Anschließend habe ich ein wenig die Klarheit erhöht. Was ich meistens mache, ist die Sättigung zu verringern und die Dynamik zu erhöhen. Das läßt das Foto natürlicher aussehen, wenn man nur die Sättigung heraufziehen würde. Anschließend habe ich den Himmel mit dem Pinsel “ausgemalt” und hier den Weißabgleich ins Blaue, sowie die Tonung ins Grüne verschoben. Um hier ein kräftige Blau zu erreichen, müßt Ihr nun noch die Belichtung verringern. Fertig ist der blaue Himmel.
Abschließen wurde das Foto noch etwas geschärft.

Es ist kein Hexenwerk, vermutlich auch nicht das perfekte Bild, aber man kann eine Menge aus den Rohdaten der Kamera herausholen, wenn man dem Foto ein wenig Nachbearbeitung spendiert.

Ziehe an dem Slider für eine vorher/nachher-Ansicht

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