Ausrüstung

Fotografie

Die Auflistung einer Ausrüstung ist immer eine heikle Sache.
Warum?
Viele Leute sagen, dass es nicht auf die Ausrüstung, sondern auf den Fotografen ankommt. Das ist soweit erst einmal richtig. Es bringt die beste und teuerste Ausrüstung nichts, wenn man diese nicht bedienen kann.
Andere Leute sagen, dass das Kit-Objektiv, das mit der Kamera geliefert wird, für die meisten Situationen ausreicht. Auch das ist richtig. Meine aktuelle Kamera, die Canon EOS 80 D wird beispielsweise mit einem 18-135mm Objektiv geliefert. Das deckt in der Tat einen großen Bereich ab und um sich mit der Kamera vertraut zu machen, ist weitere Ausrüstung erst einmal nicht erforderlich.
Weiterhin wird es einem oft als Prahlerei ausgelegt, wenn man fein säuberlich seinen ganzen “Fuhrpark” mit allem Zipp und Zapp und Narrenkapp auflistet. Da keines meiner Objektive bis auf das Sigma 17-70mm und das Tamron 150-600mm mehr als 300 Euro gekostet hat, sehe ich die Sache eher entspannt. Vielleicht stellt der eine oder andere dadurch fest, dass es durchaus Möglichkeiten und Alternativen zu den bei der Kamera mitgeliefert Objektiven und Ausrüstung gibt.

Im Laufe der Zeit bin ich jedoch immer mehr ein Freund der Festbrennweiten geworden. Was ist denn da nun der Unterschied zu einem Zoom-Objektiv und was bringt das, wenn man ein ganzes Arsenal von Objektiven mit sich herumschleppt?
Wie der Name erahnen läßt, handelt es sich hier um Objektive mit einer unveränderlichen Brennweite, z.B. 50mm. Mit diesem Teil kann man also keinen Millimeter zoomen, man bewegt sich entweder näher oder weiter zu dem ausgewählten Objekt. Was zunächst als gravierender Nachteil erscheint, ist zugleich ein riesiger Vorteil der Objektive. Man fotografiert, wie man so schön sagt, bewusster, man muss sich bewegen und nicht einfach am Objektiv drehen und sich das Motiv “passend” machen. Man muss sich das Motiv suchen. Das kostet natürlich Zeit, hat aber den Vorteil, dass man nicht einfach “drauf los hält” und sich nachher über nichtssagende Fotos ärgert. Der Lerneffekt für den fotografischen Blick und die Bildkomposition sind bei Festbrennweiten enorm. Weiterhin bringen Festbrennweiten technische Vorteile mit, da weniger Linsen verbaut werden müssen. Somit ist die Abbildungsqualität (bessere optische Auflösung, weniger Abbildungsfehler) bei diesen Objektiven in der Regel höher als die von Zoomobjektiven.

Festbrennweiten-Objektive sind im allgemeinen zudem wesentlich lichtstärker als Zoom-Objektive, man kann damit sehr schön Objekte im Vordergrund freistellen und somit den Hintergrund, je nach Blende mehr oder weniger verwaschen darstellen.

Zoom-Objektive spielen ihre Vorteile da aus, wo man an einem festen Punkt steht und sich nicht auf das Objekt bewegen kann und keine kontrollierbaren Motive hat, beispielsweise bei der Sportfotografie. Ebenso auf Reisen haben Zoom-Objektive ihre Vorteile, da man deutlich weniger Ausrüstung transportieren muss.

Bearbeitung

Da ich grundsätzlich im RAW-Format fotografiere, ist eine digitale Nachbearbeitung der Fotos unumgänglich. Das Rohdatenformat enthält im Gegensatz zu JPG-Aufnahmen keine eigentlichen Bildinformationen. Rohdaten sind auf dem Rechner nur mit einem entsprechenden Konverter zu betrachten, der die Rohdaten der Kamera in entsprechende Bilder umwandelt.

Als Rechner verwende ich grundsätzlich nur Produkte der Firma Apple. Im stationären Einsatz ist dies ein iMac aus dem Jahr 2015 mit 27-Zoll Bildschirm und Retina Display, im mobilen Einsatz ein MacBook Pro Retina aus dem Jahr 2013. 
Die Rechner sind, bis auf gelegentliche Betriebssystem-Updates, absolut wartungsfrei. Es gibt nichts, was ich einstellen muss, alle Peripherie-Geräte lassen sich einfach anschliessen und “funktionieren” in dem ganzen System.

Zur Bildbearbeitung verwende ich Adobe Lightroom und Adobe Photoshop in der CC-Version, d.h., es ist eine Abo-Software. Auch hier braucht man sich nicht um Updates zu kümmern, auf Grund der Abo-Struktur werden diese von Adobe “frei Haus” geliefert.
Zur weiteren Bearbeitung der fertigen Fotos verwende ich die Google Nik-Collection, On1 PhotoRAW 2017 und das DxO-FilmPack5.

Jeder mag, was Hard- und Software anbelangt, seine Vorlieben haben. Für mich “funktionieren” meine Apple-Systeme und ich kann mich auf das wesentliche, das Fotografieren, konzentrieren.

Im Restaurant: Der Koch: “Ihre Fotos gefallen mir, Sie haben bestimmt eine gute Kamera.” Newton nach dem Essen: “Das Essen war vorzüglich – Sie haben bestimmt gute Töpfe.”
Helmut Newton
Fotograf

Festbrennweiten

Canon EF-S 24mm F2,8 STM

Das Canon EF-S 24mm F2,8 STM wurde 2014 auf der Photokina in Köln vorgestellt. Es ist besonders kompakten eignet sich auf Grund des EF-S Bajonetts nur zur Verwendung an APS-C Kameras. Der Autofokus arbeitet mit einem STM-Motor (Stepping Motor). Da das Objektiv nur an APS-C Kameras angeschlossen werden kann, handelt es sich hier um kleinbildäquivalente 38mm Brennweite. Das Objektiv verfügt über eine Naheinstellgrenze von nur 16 cm, daher sind trotz der Weitwinkelbrennweite  größere Abbildungen von kleinen Objekten möglich. Das Objektiv hat eine Offenblende von 2.8, was für Landschaftsaufnahmen reichen sollte. Einen Bildstabilisator bietet das Objektiv ebenfalls nicht, was auf Grund seiner Einsatzmöglichkeiten auch nicht erforderlich ist.

Ich verwende es gerne, um Fahrzeuge zu fotografieren, da diese so formatfüllend dargestellt werden können.

Yongnuo 35mm F2

Das Yongnuo 35mm F2 ist ein äußerst günstiges Festbrennweitenobjektiv “Made in China”, welches bei Amazon für knapp €100,- erhältlich ist. Es verfügt über einen Autofokus. Auf das Vollfomrat gerechnet, bietet es an einer APS-C Kamera den Ausschnitt eines 50mm-Objektives. In der Optik sieht es dem 50mm-Objektiv von Canon zum Verwechseln ähnlich.
Die Blende von 2.0 ermöglicht es, auch bei schlechteren Lichtverhältnissen zu fotografieren und zaubert ein wunderschönes Bokeh und erzeugt eine tolle Freistellung. Es eignet sich hervorragend für Portraitaufnahmen. Es eignet sich zudem  auch hervorragend für Stadfotografie, da die kleinbildäquivalenten 50mm Brennweite dem Blickwinkel des menschlichen Auges entsprechricht. Dass der Autofokusmotor ein wenig laut ist, ist angesichts des günstigen Preises zu verschmerzen.

Canon EF 50mm F1,8 STM

Objektive mit 50mm Brennweite sind der Klassiker schlechthin, das Canon EF 50mm F1,8 STM kann sowohl an Kameras mit EF und EF-S Verschluss verwendet werden. Es ist mit einer Offenbarende von 1.8 sehr lichtstark und hat eine Naheinstellgrenze von 35 cm. Das Canon EF 50mm F1,8 STM ist eine sehr preiswerteste Lösung (rund 130 Euro), um an ein lichtstarkes Objektiv mit EF-Bajonett zu kommen.
Für APS-C Kameras ist diese kleine “Plastikscherbe”, wie sie im Volksmund gerne genannt wird, ganz hervorragend für Portraits geeignet.

Canon EF 85mm F1.8

Auf Grund des EF-Bajonetts ist das Objektiv gleichsam für Vollformat und APS-C Kameras nutzbar.
Durch die sehr hohe Lichtstärke des Objektivs gehört es zu den Beliebtesten vieler Portrait-Fotografen im Vollformatbereich, auf einer APS-C Kamera ist es die ideale Brennweite für Kopf- oder Oberkörperportraits. Es eignet sich auf Grund seiner Lichtstärke für Innenraumaufnahmen und auch für Sport- und Actinfotografie, wenn man hier nicht auf einen Telezoom angewiesen ist. Weiterhin eignet es sich auch hervorragend für Tierportraits, da man auf Grund der Naheinstellgrenze von 85cm hier ein wenig “auf Distanz” zu dem Objekt gehen kann.

Sigma 105 mm F2,8 EX Makro DG OS HSM

Das Sigma 105mm Macro-Objektiv läßt sich sowohl an einer Vollformat- sowie an einer APS-C Kamera betreiben. Dazu liegt dem Objektiv sogar eine Lens-Hood Verlängerung für AOS-C Kameras bei, sowie ein Objektivköcher mit Tragriemen. Es besitzt einen Bildstabilisator, der in 2 Stufen schaltbar ist (man kann ihn auf horizontale Bewegungen einschränken) und damit “Mitzieher” fotografieren. Der Autofokus ist in 3 Stufen schaltbar (unendlich, 31mm-45mm und 45mm bis unendlich). Das ist besonders bei Motiven ratsam, die sich unmittelbar vor der Linse befinden, eben echte Makros. Das Objektiv verfügt über eine Offenblende von 2,8, die jedoch nur im Telebereich Sinn macht. Es macht sehr scharfe Bilder und ist auch für Porträt-Aufnahmen eine Empfehlung!

Zoom-Objektive

Canon EF-S 10 – 18mm 4,5 – 5,6 IS STM

Bei dem Canon EF-S 10 – 18mm 4,5 – 5,6 IS STM handelt es sich um ein Ultraweitwinkel-Objektiv mit Bildstabilisator und STM (Stepping Motor) für den Autofokus und ist nur auf APS-C Kameras einsetzbar.
Bei Offenblende (F 4.5) und einem Abstand von nur einem bis drei Meter (bei 10 respektive 18 mm) ist das Bild bereits bis ins Unendliche hin scharf. Es eignet sich daher hervorragend für Landschaftsaufnahmen. Daher fällt auch die relativ geringe Offenbarende nicht ins Gewicht, da man in der Landschaftsfotografie gerne vom Stativ Gebrauch macht und so beliebig lang belichten kann. Im Bildzentrum liefert es ordentliche Ergebnisse ab und verliert zu den Rändern hin ein wenig an Schärfe

Sigma 17-70mm 2.8-4.0 DC Macro OS HSM Contemporary

Zum Lieferumfang jeder Kamera gehört in der Regel ein Kit-Objektiv. Dieses ist in erster Linie dazu gedacht, sofort loszufotografieren und die Kamera kennenzulernen. Im Falle Canon ist das das 18-55mm 3,5-5,6 Objektiv. Zum ersten Kennenlernen ist es wirklich ausreichend, man kann gute Fotos damit machen. Es deckt an einer APS-C Kamera einen guten Bereich ab, vom Weitwinkel bis zum leichten Zoom und ist somit in vielen Bereichen, z.B. Landschaften und Porträt einsetzbar.
Schnell wird jedoch der Ruf nach mehr Lichtstärke und mehr Brennweite laut, ohne hier auf mehrere Objektive ausweichen zu müssen. Preislich und von den Features kommt das Sigma 17-70 mm, das ein kleinbildäquivlaente Brennweite von 27-112 mm hat und nur an einer APS-C Kamera verwendbar ist, dem am nächsten. Aufgrund der Brennweite ist man in vielen Situationen ausreichend ausgerüstet und von der Lichtstärke liegen Welten im Vergleich zum Kit-Objektiv. Zu erwähnen ist weiterhin, dass das Objektiv über einen Bildstabilisator verfügt. Das Objektiv verfügt über eine Naheinstellgrenze von 22 cm, was es erlaubt, nah an die Motive heranzugehen, ohne dass es freilich ein Makro-Objektiv ersetzen kann.
Am kurzen und am langen Ende der Brennweite treten zwar Verzerrungen, bzw. chromatische Aberrationen auf, die jedoch in Lightroom spielend zu korrigieren sind.

Tamron AF 70-200mm 2,8 Di SP Macro

Dieser Telezoom, das sich sowohl am Vollformat und an einer APS-C Kamera verwenden läßt, schließt bei mir die Lücke zwischen dem 17-70mm und dem 150-600mm Objektiv. Es verfügt nicht über einen Bildstabilisator und der Autofokus ist nicht der schnellste im Kreise der Mitbewerber. Auf Grund der Offenlende von 2,8 eignet es sich sehr schön, um Motive freizustellen und ist im Grunde sehr universell einsetzbar, von der Portraitfotografie über Tierfotografie bis hin zu Landschaftsaufnahmen. es gelingen schöne Bokehs mit diesem Objektiv. Die Macro-Funktion ist nicht allzu hoch zu bewerten, da das Objektiv über eine Naheinstellgrenze von 95 cm verfügt.

Tamron SP 150-600mm F/5-6.3 Di VC USD Telezoom

Bei diesem Objektiv ist man sich zunächst nicht sicher, ob man dafür einen Waffenschein benötigt. Inklusive der Gegenlichtblende sprechen wir mit ausgefahrenem Objektiv von eine Länge von knapp 44cm bei einem Kampfgewicht von knapp 2kg. Dafür wird man mit einer Brennweite bis 600mm entschädigt, der so schnell nichts entgeht. Da das Objektiv nicht besonders lichtstark ist, hilft hier der eingebaute Bildstabilisator, mit dem man selbst bei 600mm aus der Hand ordentliche Fotos machen kann. Ein Traum für jeden Natur- und Tierfotografen, der nicht gleich den Preis eines Kleinwagens für ein entsprechendes Canon-Objektiv aufwenden will.