Mein Lightroom Creative Cloud Workflow

Im Oktober 2017 hat Adobe ein “Mega-Update” der Software Lightroom ausgerollt. Dabei herrschte zunächst etwas Konfusion, da es auf einmal zwei Lightroom-Varianten gab; zum einen Lightroom CC und Lightroom CC Classic.
Wo, bitteschön, ist da jetzt der Unterschied?

Lightroom CC Classic ist der Nachfolger der bisherigen Lightroom-Version und Lightroom CC ist von Grund auf neu programmiert. Die Version Lightroom CC Classic ist ohne Cloud, also auf herkömmlichen Computern nutzbar. Lightroom CC nutzt ausschließlich die Cloud. In Lightroom CC werden alle Bilder, die man importiert, in die Cloud hochgeladen und sind von dort praktisch überall “erreichbar” – über ein Webinterface und mobile Apps für iOS und Android.

Leider ist Lightroom CC in den Funktionen nur eine abgespeckt Variante von Lightroom CC Classic. Man kann keine Fabrmarkierungen vergeben, es gibt kein Kartenmodul, es gibt keine Smartsammlungen und man kann keine Plug-Ins, weder zur Bearbeitung noch zum Exportieren/Teilen einbinden. Es besteht lediglich die Möglichkeit, ein Bild auszuwählen und diese in Photoshop zu bearbeiten. Weiterhin kann man ausgewählte Fotos auch auf die Festplatte exportieren. Ausserdem sind die Bearbeitungsfunktionen nicht auf dem Stand von Lightroom CC Classic, insbesondere, was die Maskierungsfunktionen wie linearer Verlauf, radialer Verlauf und Pinsel anbelangen. In Lightroom Classic CC gibt es seit neuestem auch die Option, bei diesen Luminanz oder Farbbereiche auszuwählen, was die Arbeit bei der Entwicklung der RAW-Dateien nochmals enorm erleichtert.

Alle Versionen gibt es nicht mehr als Kaufversion, sondern nur noch im Abo-Model. Darin enthalten sind 20GB Cloud-Speicher, Kostenpunkt: €119,28 pro Jahr.
Das ist im Zeitalter von 128GB Speicherkarten für Digitalkameras äußerst bescheiden, um es höflich auszudrücken.
Man kann jedoch den Cloud-Speicher erweitern. 1TB Cloud-Speicher kosten pro Jahr €178.98. Die Preise nehmen wir mal einfach so hin, das Internet ist voll von Diskussionen über pro und Contra, doch das soll hier nicht Gegenstand dieses Beitrages sein.

Wie bekomme ich meinen ganzen Kram jetzt in die Cloud?
Spätestens an dem Punkt fängt die ganze Geschichte an, etwas kompliziert zu werden. Wer denkt, dass er/sie jetzt einfach die neuen Versionen der Software installiert und alles bewegt sich wie von Geisterhand in die Cloud, ist leider schief gewickelt. Ein wenig mehr Aufwand ist es schon.

Dazu muss man wissen, dass beide Lightroom Versionen unterschiedlich auf die Cloud zugreifen.
Wie bereits erwähnt, ist das am einfachsten in Lightroom CC. Bilder importieren, diese einem Album zuweisen und fertig ist die Laube. Alle neuen Bilder werden in einem zuvor festgelegten Album importiert und in der Cloud gespeichert. Sobald der Upload beendet ist, kann ich auf allen Geräten auf die Original-Dateien zugreifen.

Unter Lightroom Classic CC ist der Zugriff auf die Cloud jedoch eingeschränkt.
Grundsätzlich werden nur Sammlungen mit der Cloud synchronisiert (entspricht den Alben In Lightroom CC) und es werden von hier aus nur Smart-Vorschauen in die Cloud geladen, keine Originale. Diese sind über die an die Cloud angeschlossenen Geräte jedoch mit den jeweiligen Mitteln vollständig bearbeitbar.

Was ist nun zu tun, um BEIDE Versionen von Lightroom gleichberechtigt zu nutzen? In meinem Fall habe ich Lightroom Classic CC auf meinem iMac installiert. Der Katalog liegt auf der Festplatte des iMac, die dazugehörigen Originaldateien auf einer externen Festplatte. Unterwegs möchte ich Aufnahmen aus meiner Canon 80D sofort bearbeiten und in die Cloud hochladen, um diese zu Hause weiterzuarbeiten.

Der Lösungsansatz ist folgender:

Migration heißt das Zauberwort. Zunächst muss man in Lightroom Classic CC einige Vorbereitungen treffen. Der Katalog sollte als erstes optimiert und gesichert werden. Alle Aufnahmen sind bei mir in Lightroom Classic CC ordnerbasiert auf der Festplatte gespeichert. Zu jedem dieser Ordner habe ich eine Sammlung erstellt, so dass dadurch meine Ordnerstruktur in Lightroom CC ihren Pendant hat. Diese Sammlungen erscheinen in Lightroom CC als Alben. Diese Terminologie sorgt übrigens für weitere Verwirrung.

In Lightroom CC muß man nun den kompletten Katalog „migrieren“. Dadurch werden alle in dem ausgewählten Katalog vorhandenen Originaldateien in die Cloud transferiert. Die zuvor erstellten Sammlungen erscheinen als Alben in Lightroom CC. Innerhalb dieser Alben kann man in Lightroom CC übrigens auch Unterordner anlegen, die in der Classic-Variante dem Sammlungssatz entsprechen. Wer jetzt meint, dass Lightroom CC die so geschaffene Alben-Struktur in der Classic-Variante gleichermassen synchronisiert, sieht sich enttäuscht. Diese erscheinen als einzelnge Ordner in der Sammlung „von LR mobile“.

Nun kann die Synchronisation starten. In Lightroom CC wählt man unter Datei den Menu-Punkt „Lightroom Katalog migrieren“. Man wählt in einem Auswahldialog den betreffenden Katalog aus und startet die Synchronisierung.

Bei mir waren zum Zeitpunkt der Migration ca. 27.000 Fotos im RAW-Format im Katalog; dementsprechend verhält es sich mit der Synchronisation wie mit Wagners „Ring der Nibelungen“ – es zieht sich. Am besten macht man bei diesem Volumen einen ausgedehnten Wochenendtrip.

Anschließend hat man jedoch seinen gesammten Katalog in der Cloud und kann von allen angeschlossenen Geräten auf die Original (RAW)-Dateien zugreifen. Mit den entsprechenden Varianten von Lightroom CC bin ich so in der Lage, auf alle Dateien auf dem iPhone, dem iPad und auf dem MacBook zuzugreifen und diese jeweils dort zu bearbeiten. Die Synchronisation erfolgt umgehend. Sogar für das Apple-TV gibt es eine Lightroom Version, der jedoch „nur“ die Anzeige von Fotos möglich ist.

Nun sind die Bearbeitungsfunktionen in beiden Lightroom-Varianten nahezu deckungsgleich, bis auf ein paar Ausnahmen, die Verwaltungsfunktionen sind in Lightroom CC jedoch nur rudimentär. Ebenso die Export-Funktionen. Hier kann man lediglich das Original+Einstellungen oder JPG exportieren. Ebenfalls kann man in der CC Version keine Plug-Ins einbinden (weder zur Bearbeitung noch zur Verwaltung).
Lediglich nach Photoshop kann man ein Bild transferieren, wo jegliche Möglichkeiten offen stehen.

Da ich jedoch BEIDE Versionen nutzen will, muß man sich an ein paar „Spielregeln“ halten.
Ich importiere zunächst meine Fotos auf den Mac, da ich meine Fotos grundsätzlich mit GPS-Daten versehe, was Lightroom CC nicht beherrscht (nur in der Anzeige). Wer das nicht benötigt, springt bitte zum nächsten Absatz. Der Import geschieht mit der App „Digitale Bilder“, womit die Dateien zunächst auf der lokalen Festplatte landen. Danach füge ich mit Geotags Photos Pro die zuvor aufgezeichneten GPS-Daten in die Fotos ein.

Abschließend werden die Fotos über die Import-Funktion in Lightroom CC importiert.
Dabei kann man festlegen, ob die Fotos sofort einem Album zugeordnet werdern sollen oder ob sie erst einmal „nur“ in die Cloud geschoben werden sollen. Lightroom CC speichert auf der lokalen Festplatte nur zwischen, es werden keine Originale behalten. Diese wandern ausschließlich in die Cloud.
Bei meinem MacBook mit 256GB SSD ein nicht zu unterschätzender Vorteil!

Die Auswahl der Bilder erfolgt mittels Sterne-Wertung oder mit der Markierung „ausgewählt“ oder „abgelehnt“. Farbmarkierungen gibt es in der CC-Version leider nicht.
Danach erfolgt eine rudimentäre Entwicklung der Bilder. Währenddessen erfolgt bereits automatisch der Upload in die Cloud. Beim Mac erfolgt der Upload (und analog auch der Download) auch dann, wenn das Gerät im Ruhezustand ist, bzw. das MacBook zugeklappt ist. Die Anbindung an die Adobe-Cloud ist nach meiner bisherigen Erfahrung absolut störungsfrei und sehr zügig, wobei es hier natürlich immer auf die jeweilige Bandbreite der Internetverbindung ankommt.

Wenn ich nun Lightroom CC Classic öffne, werden alle neuen Fotos auf die Festplatte geladen. In den Einstellungen muß man vorher einen Download-Ordner des CC-Ökosystems benennen. Bei mir ist es der Ordner auf der Festplatte, wo sich alle Originale befinden.
Das zuvor in CC angelegte Album befinden sich nun in der Sammlung „Von LR mobile“; die Originaldateien befinden sich nun zunächst im obersten Ordner meiner Originaldateien.
Nun ziehe ich die Sammlung aus „Von LR mobile“ in meine Sammlungen hinein, markiere dort alle Fotos, gehe in den Reiter Ordner und lege mir dort einen neuen Ordner auf der Festplatte an, in den die synchronisierten Dateien verschoben werden. Der letzte Schritt ist nicht zwingend erforderlich, aber man bekommt somit Ordnung in die hierarchische Struktur des Ordners im Dateisystem.

In Lightroom Classic CC habe ich fortan alle Orginaldateien wieder zur Verfügung und kann sie mit den dortigen Werkzeugen oder mit Plug-Ins tiefgreifender bearbeiten.
Somit erfüllt dieses System, trotz des etwas gestiegenerm Arbeitsuafwand zwei Ziele:
Ich kann in Lightroom Classic CC Originale bearbeiten, egal von welcher Stelle aus sie ihren Weg in die Cloud gefunden haben und ich habe nebenbei ein Backup meiner Originale in der Cloud, falls es zu Hause zu einem Festplattendefekt kommt.

Für mich stehen Aufwand und Nutzen somit in einem gesunden Verhältnis.

Adobe Creative Cloud für Fotografen

DxO NIK-Collection

Der heutige Software-Tipp, die NIK-Collection, ist ein alter Bekannter unter den Photoshop- und Lightroom Filtern. Die Plug-Ins haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Anfangs kostenpflichtig, wurde die NIK-Softwareschmiede 2012 von Google übernommen und zunächst kostenpflichtig  weitergeführt. Wenig später wurden diese gratis vertrieben und die Entwicklung wurde eingestellt.
Im Jahr 2017 übernahm die französische Firma DxO die Plug-Ins. Damit endete auch der Gratis-Vertrieb der Plug-Ins.
DxO passte die Plug-Ins an die aktuellen Computer-Betriebssysteme und Bildbearbeitungsprogrammme (Lightroom CC Classic, Photoshop CC, Affinity Photo) an, fügte einen viersprachigen Support hinzu (darunter deutsch) und vertreibt diese Plug-Ins nun auf ihrer Homepage für €69,-. Darüber hinaus stellt DxO in Aussicht, dass die Software weiterentwickelt wird.

Ich nutze seit einigen Jahren die kostenlose Google-Version auf meinen Macs. Im Laufe der Zeit schlichen sich jedoch Performance-Probleme ein, die teilweise zum Absturz der Plug-Ins führten und so die vorangegangene Arbeit zunichte machten. Deshalb entschloß ich mich, das Einführungsangebot der Firma DxO anzunehmen und die Plug-Ins für €49,- zu erwerben.
Zunächst folgte eine Ernüchterung, denn am Erscheinungsbild hat sich überhaupt nichts geändert. Die Stabilität und Performance auf meinen Macs hat sich jedoch deutlich erhöht; bis dato konnte ich keinen Absturz verzeichnen.

Was kann die DxO NIK-Collection nun und lohnt sich die Investition?
Zunächst einmal die Plug-Ins im einzelnen:

Analog Efex ProColor Efex ProDfineHDR Efex ProSharpener ProSilver Efex ProViveza
Mit diesem Filter wird der typische Look verschiedener Analogfilme simuliert. Man kann beispielsweise aus verschiedenen Filmtypen auswählen, Kratzer und Fotoplatten hinzufügen, sogar Mehfachbelichtungen sind möglich.
Neben Filtern für Farbkorrekturen bietet dieses Plug-In Möglichkeiten zur Retusche und kreative Effekte wie Cross-Processing und Infrarotfilme.
Unter Berücksichtigung der Besonderheiten jeder Kamera reduziert Dfine das Bildrauschen.
Wie der Name es vermuten lässt, ist HDR Efex Pro der Spezialist für HDR-Bilder. Mit verschiedenen Voreinstellungen lassen sich die unterschiedlichsten Effekte erzielen.
Das Plugin vereinfacht das Schärfen von Bildern. Es gibt zwei Module, den RAW-Presharpener, den man vor der Bearbeitung anwenden sollte und den Output-Sharpener, der am Ende jeder Bearbeitung mit der Software stehen sollte
Der Spezialist für Schwarzweiß-Aufnahmen orientiert sich von der Arbeitsweise an Dunkelkammer-Korrekturen und bietet dazu eine Vielzahl an Emulationen alter Schwarz-weiß Filme an.
Für globale und lokale Anpassungen der Farbe und Tonalität ist diese Plug-In zuständig.

Besonders beliebt in der Nik Collection ist die Arbeit mit Kontrollpunkten. Bei diesen Kontrollpunkten kann man mit wenigen Klicks verschiedene Einstellung an ähnlichen Bereichen im Bild  verändern. Dazu zählen zum Beispiel Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich, oder gar Farbveränderungen mittels RGB Slider. Das spart bei der Bearbeitung Zeit, da man komplett ohne Masken, bzw. Maskierungen auskommt.

Natürlich kann man all diese Dinge auch in Photoshop manuell erledigen. In der NIK-Collection kann man vorgefertigte Presets und Stile auswählen und diese entweder auf das komplette Bild oder mittels der Kontrollpunkte auf einzelne Bildbereiche anwenden. Der große Vorteil ist, dass der Anwender sich nicht mit Masken, bzw. Maskierungen in Photoshop beschäftigen muss. Das ist nicht nur für Einsteiger sinnvoll, sondern auch für fortgeschrittene  Anwender. Setzt man die Filter sinnvoll und mit Bedacht ein, kommt man hier sehr schnell zu hervorragenden Ergenissen. Insbesondere das Modul „Color Efex Pro“ bietet hier reichhaltige Möglichkeiten. Mit wenigen Einstellungen kann man damit einiges aus (auch in Lightroom entwickelten Fotos) herausholen. Im Bild unten siehst Du eine vorher/nachher Bearbeitung  it der DxO  NIK-Collection.

Die Bearbeitung sollte nach Möglichkeit immer subtil erfolgen. Schnell gerät man hier in Versuchung, das Bild zu „verschlimmbessern“.

Zurück zur Ausgangsfrage, ob sich die kostenpflichtige Version von DxO lohnt. Ich denke, es lohnt sich alleine schon aus oben genannten Performanceverbesserungen und der Tatsache, dass der Quellcode neu geschrieben wurde, um die Software auch auf aktuellen Systemen (Win/Mac) und mit den aktuellen Versionen der beliebtesten Bildbearbeitungsprogramme zu nutzen, allen voran Affinity Photo, das für immer mehr Anwender zur Alternative des nur noch im Abo erhältlichen Photoshop entwickelt.
€69,- sind dafür meines Erachtens nach nicht Zuviel verlangt, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass diese Plug-In Sammlung vor einigen Jahren noch knapp €500,- gekostet hat.  Ich benutze sowohl in Lightroom als auch in Photoshop kaum Filter oder Presets, doch die DxO NIK-Collection gehört nach wie vor zu meinen Favoriten.

Homepage der DxO NIK-Collection

Was taugen Reisezoom-Objektive?

Vor ein paar Tagen bin ich in einer Werbeanzeige auf ein “Hammer-Angebot” aufmerksam geworden. Ein namhaftes Fotofachgeschäft im Großraum Düsseldorf rührte die Werbetrommel für eine digitale Canon Einsteiger-Speigelreflexkamera (DSLR) mit einem “Objektiv für alle Fälle”. Es war ein Reisezoom- oder Superzoomobjektiv mit einer Brennweite von 18-400mm.
So weit so gut, ich brauche also zu meiner DSLR nur EIN Objektiv und werde Fotos in der Profiliga schießen.

Dem ist leider beim besten Willen nicht so!
Grundsätzlich hat ein Reise- oder Superzoom-Objektiv zunächst einige Vorteile. Es ist leicht, es ist preiswert und es hat einen riesigen Brennweitenbereich, bei dem ich es vermeide, das Objektiv zu wechseln.
Auf Reisen ist das zuweilen recht nützlich; je nachdem, wo man sich bewegt, ist es aus vielerlei Gründen nicht möglich, eine umfasssende Auswahl an Objektiven mitzuführen. Diese Objektive sind meistens in einem Preisbereich zwischen 300 und 600 Euro zu erwerben, was den Geldbeutel neben einem Kamerakauf sehr schont.
Der gewichtigste Grund scheint zu sein, dass man vermeidet, das Objektiv zu wechseln. Ich habe schon Verkäufer sagen gehört, dass das sogar den Sensor der Kamera schont, weil dieser dann nicht verdrecken würde.

Meiner Meinung nach sprechen diese Gründe zunächst einmal überhaupt nicht dafür, sich eine Spiegelreflex-Kamera zuzulegen. Hier ist man mit einer Bridge-Kamera (fest verbautes Objektiv) weitaus besser bedient! Zum Wesen einer (digitalen) Spiegelreflexkamera gehört meiner Ansicht nach die Tatsache, dass diese einen Anschluß für Wechselobjektive bietet. Diesen Vorteil gilt es zu nutzen.

Der gravierendste Nachteil solcher Reise- oder Superzoomobjektive wird nämlich häufig verschwiegen.
Die Bildqualität ist einfach lausig!
Gut, dafür haben wir ja die oben genannten Vorteile. Ich denke, dass jemand, der nur “knipsen” möchte, mit einer Bridge- oder Kompaktkamera weitaus besser bedient ist. Damit lassen sich tatsächlich hervorragende Fotos machen. Denn es kommt nicht darauf an, was man für eine Kamera hat, sondern was man daraus macht.
Dennoch ist die Bildqualität dieser Reise- oder Superzoomobjektive meist bescheiden.
Das hat zunächst physikalische Gründe. Grundsätzlich sind Zoomobjektive nicht schlecht, die allgemeingültige Regel lautet jedoch, dass der Zoomfaktor allerhöchstens 4 betragen sollte. Bei den Reise- und Superzooms liegt der Faktor zwischen 13 und 22!
In Bezug auf die Lichtstärke darf man ebenfalls keine Wunder erwarten. Die Objektive haben gewöhnlich eine variable Lichtstärke zwischen f3.5 am Weitwinkel und f6.3 am Tele. Damit lassen sich keine zufriedenstellenden Freistellungseffekte erzielen, was bedeutet, dass man nicht kreativ fotografieren kann.
Weiterhin ist die Naheinstellgrenze dieser Objektive meist sehr hoch, so dass man nicht nahe genug an das Objekt kommt, was insbesondere im Weitwinkelbereich fatal sein kann.

Fairerweise muss ich eingestehen, dass ich einige Jahre selbst ein solches Reisezoomobjektiv genutzt habe, das Tamron 18-200mm. Es überwogen für mich die Vorteile, die ich oben genannt hatte.
Da ich mich im Laufe der Zeit jedoch immer mehr mit der Fotografie auseinandergesetzt habe, kamen mir mehr und mehr Zweifel an der Bildqualität dieses Objektivs. Mit der Zeit kamen immer mehr spezielle Objektive dazu, mehr darüber erfährst Du im Menu Ausrüstung.
Doch was tun, wenn man anspruchsvolle Fotos machen möchte und trotzdem nicht viel Geld ausgeben  möchte?

Als Canon-Benutzer kann ich dazu neben dem 18-55mm Kit-Objektiv das 55-250mm f4.0-f5.6 Teleobjektiv empfehlen. Es ist für ca. 270 erhältlich. Natürlich sind auch diese keine Wunderwerke der Lichtstärke.

Wenn man bereit ist, ca. 1.000 Euro zu investieren, bekommt man eine deutlich bessere Bildqualität.
Hier gibt es für mich zwei Empfehlungen:
Das Sigma 17-70mm f2.8-f4.0 mit Bildstabilisator für knapp 400 Euro und das Tamron 70-200 f2.8 Di SP Macro für knapp 600 Euro.
Letzteres ist weder ein ausgewachsenes Macro-Objektiv, noch verfügt es über einen Bildstabilisator. Dafür ist es für die Lichtstärke konkurrenuzlos günstig.
Diese beiden letztgenannten Objektive sind für mich ein Quantensprung in Sachen Bildqualität zu allen vorgenannten Objektiven.
Das Sigma 17-70mm ersetzt bei mir das Kit-Objektiv 18-55mm. Es bildet nach meiner Empfindung deutlich schärfer ab und verfügt über eine höhere Lichtstärke. Selbst am Tele-Ende bei 70mm lassen sich bei Blende 4 noch ordentliche Freistellungseffekte erzielen, was auch mit einer Naheinstellgrenze von 22cm zusammenhängt.
Mit dem Tamron 70-200mm kann man selbst an einer APS-C Kamera hervorragend Portraits und Tieraufnahmen machen. Mit der Linse kann man auf Grund der durchgängigen Blende von 2.8 sehr schön freistellen. Allerdings benötigt das Objektiv auf Grund des fehlenden Bildsatbilisators einiges an Erfahrung.

Das wichtigste ist an einer Spiegelreflexkamera in erster Linie die verwendete Optik, in zweiter Linie erst die Kamera an sich . Aus diesem Grund sollte man an der Optik nicht sparen.